Camera obscura - eine Touristenattraktion
Vielfach begegnen wir dem System der Camera obscura im täglichem Leben, ohne uns darüber Gedanken zu machen, daß es sich dabei um ähnliche Einrichtungen handelt, wie wir sie im Physikunterricht erläutert bekamen. Ein lichtdichter Kasten "Camera obscura" kommt aus dem Lateinischen und bedeutet "dunkle Kammer" - ist mit einem kleinen Loch versehen und wird deshalb oft kurz als Lochkamera bezeichnet. Durch das Loch (Blende) wird das Bild von außen auf die Rückwand des Kastens projiziert, allerdings auf dem Kopf stehend und seitenverkehrt, aber farbig und live!
Der erste Fotoapparat die "Box" arbeitete nach diesem System. Sollte bei Ihnen zu Hause das Licht durch das Stubenfenster und durch das Schlüsselloch der Stubentür auf den dunklen Korridor geworfen werden, so ist derselbe Effekt zu beobachten. Unser Auge und moderne Kameras sind auf diesem Prinzip aufgebaut, sogar mit Linse. Man könnte diese Reihe beliebig fortsetzen.
Trotz der Elektronik, die uns heute in Massenartikeln z.B. der Videotechnik entgegentritt, gibt es in einer Camera obscura immer wieder großes Staunen, daß ohne moderne Technik, nur mit einfachsten Mitteln, dunklen Raum, Loch, Spiegel, weiße Platte, dieser raffinierte Effekt erzielbar ist. Das Bild ist live, also bewegt und die Farben werden exakt wiedergegeben, wie es die teuersten elektronischen Systeme nur annähernd erreichen.
Die einzigartige Gelegenheit die Umgebung live beobachten zu können führt nicht selten zu lustigen Begebenheiten. Die Beobachter werden nicht gesehen, und das Häuschen mit dem Spiegel ist unverfänglich, so daß sich Bergbesucher ganz natürlich verhalten, und genau das kann sehr lustig werden und für große Heiterkeit sorgen, natürlich hauptsächlich für diejenigen die sich innerhalb der Camera obscura befinden. Camera obscuras sind also nicht nur technisch interessante Apparate, sondern sie bringen uns auch ein wenig Lebensfreude!
Die Camera obscura auf dem Berg Qybin diente nie zu astronomischen Untersuchungen oder physikalischen bzw. photographischen Experimenten, seit mehr als 140 Jahren wird sie als Touristenattraktion betrieben und so soll es auch die nächsten 140 Jahre bleiben.
Geschichtliches zur Camera obscura
Camera obscuras dürften zu den ältesten Entdeckungen der Menschheit gehören. Sicherlich ist dieser Effekt bereits von Höhlenmenschen durch Zufall beobachtet worden. Die Abdeckung des Höhleneinganges brauchte nur ein Loch zu besitzen (z.B. Astloch), damit hätte sich an einer hellen Höhlenwand gegenüber des Lochs ein farbiges und bewegtes Bild ergeben. Südlich gelegene Staaten hatten durch das helle Tageslicht besonders gute Vorbedingungen für die Entdeckung dieser Erscheinung. Daß die Höhlenmenschen nach einer solchen Beobachtung die Höhle vor Angst verlassen haben, ist eine andere Frage.
Steht man bei einer Sonnenfinsternis unter einem Blätterbaum, so kann man nach teilweiser Verfinsterung der Sonnenscheibe eine große Anzahl kleiner Sonnensicheln auf dem Boden sehen. Die vielen Löcher zwischen den einzelnen Blättern des Baumes wirken wie eine Vielzahl von Camera obscuras. Die Verdunkelung der Umgebung durch die Abdeckung der Sonnenscheibe durch den Mond ist dabei erforderliche Voraussetzung.
Bereits Aristoteles (384 bis 322 v.u.Z.) beschrieb in seinem Werk "Problemata" diese Erscheinung und erkannte, daß das Licht von der Sonne zum Loch und von diesen zur Erde einen Doppelkegel bildet und deshalb die Sonnensicheln verkehrt herum abgebildet werden. Ohne zu ahnen welche Bedeutung diese Entdeckung in der Zukunft haben wird, hatte Aristoteles das Grundprinzip der Camera obscura erkannt und beschrieben.
Der arabische Gelehrte Abu Ah Alhazan, auch Ibn al Haitham genannt (gestorben 1039) beschrieb in seines Werk "Über die Gestalt der Finsternis" die Anwendung der Camera obscura. Als Beispiel verwendete auch er die Beobachtung einer Sonnenfinsternis. Er erkannte auch, daß das Loch sehr klein sein muß, damit die Sonnensichel scharf abgebildet wird. Es wird angenommen, daß Abu Ah Alhazan die Schriften Aristoteles kannte. Alhazan war es auch, der mit dieser Methode exakte Sternenkarten herstellte (wahrscheinlich mittels Zelt).
Der Engländer Roger Bacon (1214—1294) befaßte sich sehr eingehend mit den Erscheinungen von Sonnenfinsternissen und baute funktionstüchtige Apparate in Form von Camera obscuras.
Im Jahre 1342 beschreibt Petrus von Alexandrien die Camera obscura als Lochkamera, die aus einem lichtdichten Kasten besteht, in der Vorderwand ein kleines Loch hat, durch welches das Licht fällt und auf einer Mattscheibe der Rückwand ein kopfstehendes und seitenverkehrtes Bild entstehen läßt.
Eingehender befaßte sich Leonardo da Vinci (1452 - 1519) mit den Erscheinungen in der Canera obscura. Im Rahmen seiner Untersuchungen über das Licht und die Optik fertigte er auch die ersten zeichnerischen Darstellungen zur Carnera obscura und deren Strahlengang an. Leonardo da Vinci war es auch der erkannte, daß unser Auge wie eine Camera obscura aufgebaut ist. Die wissenschaftlichen Abhandlungen hierzu entstanden zwischen 1490 und 1492, wurden aber wie viele seiner Schriften, nicht zu seinen Lebzeiten veröffentlicht.
1540 baute Erasmus Reinhold in Wittenberg zur Beobachtung von Sonnenfinsternissen eine Camera obscura und erkannte dabei, je kleiner das Loch ist ein um so schärferes aber lichtschwaches Bild entsteht. Er stellte weiter fest, daß höhere Helligkeit bei bleibender Schärfe durch Sammellinsen erreichbar ist. Dieses System wendete 1558 auch der italienische Physiker Giovanni Battista della Porta (1538 - 1615) an. Er veröffentlichte seine Erkenntnisse über die Camera obscura 1558 in seiner Schrift "Magia Naturalis" und sorgte damit für eine starke Verbreitung dieses Gerätes. Porta ist auch einer der ersten Wissenschaftler, die sich mit der Konservierung von Tönen befaßten. Die praktische Umsetzung mußte jedoch bis zum Ende des 19. Jahrhunderts warten (Edison).
Die erste große Epoche der praktischen Anwendung der Camera obscura als Zeichenhilfe leitete 1568 der Venezianer Daniele Barbaro ein. Er hatte ein Loch in seinen Femsterladen gebohrt, dahinter eine Bikonvexlinse angeordnet und konnte dann im geeigneten Abstand von der Linse auf einem Bogen Papier das Schauspiel beobachten ohne die gegenüberliegende Wand des Raumes nutzen zu müssen. Johannes Kepler (1571 - 1630) Mathematiker und Astronom, verwendete ein drehbar gelagertes Zelt, schob durch ein Loch der Wandung eine Röhre mit einer Sammellinse und zeichnete das projizierte Bild nach. Hooke fertigte 1679 die erste transportable Camera obscura für Zeichenzwecke.
Um das Bild sofort seitenrichtig zu erhalten, setzte man Mitte des 17. Jahrhunderts um 45 gegen die optische Achse geneigte Planspiegel ein. Dieses Prinzip hatte Porta bereits in seinem Werk "Magia Naturalis" beschrieben.
Einer der bekanntesten Maler, der seine Bilder mittels Camera obscura malte war Bernardo Bellotto (30.1.1720 - 17.10.1780). Er war der Neffe des italienischen Malers Antonio da Canale (genannt Canaletto). Unterwegs auf Reisen benutzte er die "Zeichenkamera" um reizvolle Ansichten maßstäblich und perspektivisch richtig aufs Papier zu bringen. Bellotto alias Canaletto arbeitet mit dieser Methode in Mailand, Rom, London, Wien und München, aber am meisten in Dresden und Warschau. Beispiele seiner Tätigkeit sind:
"Der Marktplatz von Pirna" - Öl auf Leinwand 134 cm x 238 cm, 1753/54, Staatliche Kunstsammlungen Dresden — Alte Meister.
oder
"Wien vom Oberen Belvedere aus gesehen" - Öl auf Leinwand, 135 cm x 213 cm, 1759/60, Kulturhistorisches Museum Wien.
sowie
"Altmarkt Dresden", "Warschauer Schloß", "Blick Katholische Hofkirche", "Frauenkirche Dresden" usw.
Das Original der Beschreibung seiner Zeichenkamera liegt in der Eremitage in Leningrad.
Heute hat die Camera obscura ihre Bedeutung als Zeichenkamera verloren, die Fotografie erleichtert uns diese Arbeit. Ein aufmerksamer Beobachter kann das Prinzip der Camera obscura jedoch in vielfältigster Weise in Natur und Technik wiederfinden.
Die Camera obscura auf dem Berg Oybin
Der Qybiner Uhrmacher Weber hatte 1852 die Idee, auf der höchsten Stelle des Berges Qybin, dem Kaiserbett, für die Touristen eine Camera obscura aufzubauen. Er errichtete einen kleinen 2,30 m hohen Turm, von welchem man eine gute Sicht in den Hausgrund, das Oybintal und zwischen Ameisenberg und Töpfer hindurch nach Zittau hatte. Auch die Touristen in unmittelbarer Nähe der Camera und auf dem Kaiserbett konnte man zur Freude der Beobachter in dem kleinen Turm verfolgen. Die Einrichtung dieser Camera obscura bestand aus einem verstellbaren Planspiegel, darunter war eine Bikonvexlinse mit einer Blende angebracht, und das Bild wurde auf einem konkav geformten, in der Höhe verstellbaren Tisch abgebildet. Die Spiegeleinrichtung auf dem Dach war drehbar angeordnet, so daß die Landschaft mit 3600 Drehung eingestellt werden konnte. Die Scharfeinstellung des Bildes wurde dabei durch Heraus- oder Hineindrehen des Tisches erreicht.
Eine Erweiterung der Camera obscura erfolgte durch Weber 1886. Er baute ein buntes Holzhäuschen vor das Türmchen, das zur Unterkunft und zum Souvenirverkauf diente. Als das Türmchen später baufällig wurde, baute man die Camera einfach in dieses Häuschen ein.
Frau Emma Hundeck (geb.1879) die Tochter des Uhrmacher Weber, bediente diese Anlage bis ins hohe Alter. Noch mit 86 Jahren erfreute sie die Besucher mit der Camera obscura und erzählte dazu wahre und erfundene Anekdoten. Sie behauptete auch aus Besitzerstolz, daß es in Europa nur 3 Camera obscuras gäbe! Dabei wußte sie auch, daß auf dem Spitzberg Oberoderwitz, der Landeskrone Görlitz, der "Schönen Höhe" in Pirna, in Hainichen und Cottbus solche Einrichtungen existierten.
Auf einem Plakat, welches um 1900 angefertigt wurde, beschrieb sie die Camera obscura folgendermaßen:
Auf dem
BERG OYBIN
oberer Teil, beim Kaiserbett
befindet sich die sehenswerte
Canera obscura
oder dunkle Kammer
Die reine abwechslungsreiche Spiegelung der Natur in natürlichen Farben!
Die ganze Umgebung im Bereich der Camera obscura erscheint in einem dunklen Raume auf einem weißen Tische.
Man sieht das bewegte Leben und Treiben auf dem höchsten Punkt, auf dem historischen Kaiserbett, und im reizenden Tal Qybin.
Das ganze Straßenleben, der Bahn-, Auto- und Touristenverkehr spiegelt sich hier im Kleinen ab. Die umgebenden Berge mit den imposanten Felsenpartien und den herrlichen Baumgruppen erfreuen das Auge des Beschauers. Eine schöne Erinnerung fürs ganze Leben. Bis jetzt hat es jeden Besucher befriedigt, denn wer es sah, kam wieder und brachte seine Freunde mit.
Freundlichst ladet ein E. Hundeck.
Bei trüber Witterung und bei Schulen nach Übereinkunft.
1975 verstirbt diese beliebte Frau 96jährig in Qybin.
Zwischen 1965 und 1973 wird die Camera obscura auf dem Oybin, zwar unregelmäßig aber immer noch zur Freude der Touristen, durch verschiedene Betreiber vorgeführt. Dann kümmerte sich keiner mehr um das Häuschen, es wird teilweise zerstört und ein schneller Verfall tritt ein.
Nachdem 1972 Dr. Illgen mit seinen Studenten die ersten Phonokonzerte in der Klosterruine durchgeführt und 1973 in Zusammenarbeit mit dem Dorfklub Oybin unter dem Heimatsänger Hans Kühn, diesen Teil der Berganlage zum Konzertsaal ausgebaut hatte, folgte der Ausbau des Rittersaales als Weinrestaurant von 1973 - 1975.
Die zu dieser Zeit bereits stark angeschlagene alte Camera obscura kam nun als nächstes Bauobjekt in Betracht. Es gab nur eine Alternative - einen festen dauerhaften Bau! Die Akte der Eingaben der Bürger und älteren Touristen, die diese Attraktion kannten, füllte sich mehr und mehr. Die Forderung war "abreißen oder instandsetzen"! Geld stand von staatlicher Seite nicht zur Verfügung! 1980 war der Anblick des Häuschens nicht mehr zu ertragen und so wurde mittels privater Finanzierung aus Patentgeldern und der Unterstützung von 62 Studenten der Ingenieurschule für Elektronik und Informationsverarbeitung Görlitz das Objekt im Mai in Angriff genommen.
Der Rohbau des neuen Hauses war in 2 Tagen bewältigt. Zu diesem Zweck transportierten die Studenten 42t Material von der Schneiderstube per Muskelkraft auf das Kaiserbett.
Für alle Beteiligten war dies zwar ein anstrengendes aber sehr erlebmisreiches Wochenende mit einem Phonokonzert in der Klosterruine - nachts 1.30 Uhr!
Bei den Bauarbeiten wurden zusätzlich zum Mittagessen
6 Faß Bier (á 100 l)
2 Faß Limonade
220 Rostbratwürste
25 kg Brot
400 Semmeln
13 Stück Butter
verkonsumiert.
Die Übernachtung erfolgte im Rittersaal und der Gaststätte. Die Tische wurden zusammengeschoben ein Teil der Studenten schlief auf den Tischen, der andere Teil darunter. Viele schliefen direkt im Freien unter den Bäumen des Kaiserbettes, es glich alles einem "kleinen Heerlager". Noch vor Wintereinbruch war das neue Häuschen geputzt, gemalt und ausgebaut, die optische Einrichtung durch Dr. Illgen entworfen. Aber das Linsensystem ließ auf sich warten. Schott Jena goß die Linsenkörper, Feinoptische Werke Görlitz (Pentacon) schliff sie und Carl Zeiß Jena hat sie vergütet und zentriert. Das dauerte 3 Jahre! Unsere Forderung war: Linsendurchmesser 20 cm bei einer Brennweite von 296 cm. Damit wird eine Blende von 14,8 erreicht und ein verhältnismäßig lichtstarkes Bild erzielt. Die Oybiner Camera obscura ist dadurch zur lichtstärksten Einrichtung in Europa geworden, mit welcher man abends noch ausgezeichnete Bilder vorführen kann wenn die Fahrzeuge bereits Licht eingeschaltet haben.
Der Nachteil einer solchen Anlage ist jedoch, daß die Schärfe von Objekten unterschiedlicher Entfernung nachgestellt werden muß. Dies geschieht in der Oybiner Einrichtung durch die Höhenverstellung des Tisches von 0-130 cm. Damit können scharfe Bilder im Bereich von 10 m bis unendlich erzielt werden. Durch zusätzliche Verschiebung des Linsensystems könnte man sogar Objekte im Abstand von 1 m scharf abbilden.
Das größte Problem war der Tisch mit einer konvexen Wölbung, welcher einer Schärfekurve folgen muß. Zur damaligen Zeit ein einfach unlösbares Problem. Der
Zufall kam zur Hilfe. Beim Streit mit einem Meister der Kupferschmiede in Zittau zwecks Herstellung einer solchen Schüssel fielen die gewölbten Dächer parkender
Pkws auf! Kurzerhand wurde ausgemessen, es ist kaum zu glauben, das Trabantdach hatte die erforderlichen Maße!
Somit ist die Camera obscura auf dem Oybin die einzigste der Welt, die mit einem Trabantdach betrieben wird!
Bei dieser Camera obscura wurde auf elektrische bzw. elektronische Steuerungsmittel und Antriebe verzichtet! Das geschah deshalb, weil die Anlage so nostalgisch wie möglich nachgebildet werden sollte. Dadurch wird die Störanfälligkeit wesentlich herabgesetzt. Es besteht keine Abhängigkeit von äußeren Systemen. Die Camera ist jederzeit vorführbereit. Außerdem wirkt eine handbetriebene Anlage viel lustiger, jeder Vorgang kann verfolgt und erkannt werden, was für den berühmten "Aha—Effekt" bei Schülern und Studenten sorgt. Die wirkenden optischen Gesetzmäßigkeiten sind dabei leicht erfaßbar.
Seit Juni 1983 ist die Camera obscura auf dem Berg Oybin wieder einsatzfähig. Im August des gleichen Jahres wird sie zur "Moschkauehrung" eingeweiht und erfreut sich seitdem wieder größter Beliebtheit bei den Touristen.
Die Camera obscura in Hainichen/Freiberg
Auf dem Rahmenberg in Hainichen, gibt es seit 1985 (der 800Jahr-Feier der Stadt) wieder eine Camera obscura. 1883 hatte der Kaufmann Richard Leonhardt diese als "Sieh dich um" bezeichnete Attraktion den Bürgern der Stadt gestiftet (Bild links oben). Heute ist sie auf einem 11 m hohen Turm untergebracht (Bild unten). Auch hier leistete Dr. Illgen Geburtshilfe. Es war die zweite Carnera obscura im gesamten deutschsprachigen Gebiet, die wieder funktionsfähig gemacht wurde.
Hierbei konnten alte Bauteile wieder verwendet werden. Man erhält mit dieser Anlage Bilder des reizenden Städtchens bis hinüber zur stark befahrenen Autobahn.
Von Mai bis Oktober ist diese Camera obscura mittwochs - sonntags von 9 - 12.00 Uhr und von 13 - 16.00 Uhr geöffnet.
Voraussetzung ist jedoch klare Sicht, bei trübem und regnerischem Wetter finden keine Führungen statt!
1988 wurde von Dr. Illgen und 2 Studenten, im Auftrag des Magistrates Berlin die 3. Cmmera obscura für die Gartenbauausstellung Berlin Marzahn projektiert. Auf einer kleinen Anhöhe war ein Rundbau vorgesehen.Von dieser Aussicht hätte man mit der Camera obscura einen großen Teil der Ausstellung überblicken können. Leider ist bisher nur das Haus gebaut worden. Es steht ungenutzt auf dem Hügel,
hat aber doch noch einen Zweck gefunden — bei Regenwetter stellt man sich hier unter !?
Die Camera obscura in Mühlheim/Ruhr
Seit Ostern 1992 gibt es in Deutschland nun doch noch eine 3. funktionsfähige Camera obscura. Prof. Werner Nekes hat auf eines ausgedienten Wasserturm eine solche Einrichtung aufbauen lassen. Carl Zeiß Jena hat die Optik hierfür hergestellt, und dazu eine elektronische Steuerung entworfen. Der Aufbau ist ähnlich der Edinburgher Anlage, d.h. die Optik arbeitet mit einer Blende 64, die große Tiefenschärfe garantiert. Die Brennweite beträgt ungefähr 10m. Von 13m bis unendlich lassen sich die Bilder scharf einstellen. Der Vorteil solcher Anlagen ist, daß der Tisch (Bildschirm) von 1,30 m fest in seiner Stellung bleibt. Nachteilig ist jedoch, daß bei großer Blende und großer Brennweite die Lichtstärke d.h. die Bildhelligkeit stark sinkt (die Lichtstärke sinkt mit dem Quadrat der Entfernung). Das macht sich besonders bei bedecktem Himmel oder in den Abendstunden bemerkbar.
Nach den 3 deutschen Camera obscuras sollen noch einige andere bekannte Einrichtungen genannt werden.
Eine der ältesten Anlagen befindet sich auf der Burg Eger (Erlau). Eger ist die Hauptstadt des nordungarischen Komitats Heves. Mit dieser Camera obscura wurden bereits 1552 die anstürmenden Türken beobachtet. Der heldenhaften Verteidigung der Burg, die der Belagerung standhielt, wurde in Literatur und Film (Sterne von Eger) ein Denkmal gesetzt. Nicht zuletzt hatte an diesem Sieg auch die Camera ihren Anteil. Noch heute ist diese Camera obscura funktionsfähig und wird auf Verlangen stolz vorgeführt!
Auch die Budapester Universität ist im Besitz einer Camera obscura.
Im oberen Teil des Sternes der Lomonossow—Universität Moskau ist eine solche Einrichtung eingebaut und in Edinburgh (Schottland) gibt es eine Camera obscura (siehe dazu auch nebenstehenden Text).
Eine reizvolle Aussicht zum Hafen wird mit der Camera obscura in San Franzisco geboten. Neben Segeljachten und Surfern läßt sich auch das lustige Leben und Treiben der Robben beobachten, die heute die Touristen belästigen, sie um Futter anbetteln.
Ganz gleich wo Sie eine Canera obscura vorfinden, schauen Sie sich das erste Farbfernsehen der Welt ohne Elektronik an. Der Adrenalinspiegel sinkt und das Stimmumgsbarometer steigt! Überzeugen Sie sich selbst, Sie werden überrascht sein über die Vielzahl von lustigen Verhaltensweisen die an Mensch und Tier beobachtet werden können.
Eine kleine Begebenheit soll dies beweisen:
Es war im Sommer 1989, eine Frau ungefähr 35 Jahre alt, ist dermaßen überrascht von der Funktionsweise der Camera obscura und stellt in verhältnismäßig starker Erregung eine Frage nach der anderen:
"ist das wirklich live?", "wie weit kann man damit sehen?", "kann man auch auf das Kaiserbett gucken?", "hatten Sie das vorhin auch eingestellt?", "waren da auch Leute in der Camera?" usw.
Die Sachlage löste sich auf, als die Vorführung beendet war und die Dame mir leise ins Ohr flüsterte:"Wenn Sie wüßten, was ich vorhin dort oben machen wollte?!"
Sie hatte es nicht getan und konnte beruhigt den Weg ins Oybintal antreten.
Die Camera obscura in Edinburgh (Übersetzung aus einem Prospekt)
Im Zentrum des Raumes steht ein weiß gestrichener, konkaver Holztisch. 6,52 m über ihm befindet sich eine doppelte Linse aus Glas mit einem Durchmesser von 25,4 cm. Darüber erhebt sich weitere 2,06 m ein Metallzylinder mit einer einfachen Linse in der Mitte und einer dreifachen Linse von 12,7 cm Durchmesser am oberen Ende. Der Zylinder projiziert vom Dach der Camera obscura aus, er ist geschützt von einer Kappe, die zu einer Seite hin geöffnet ist. Unter der Kappe befindet sich ein ebener Spiegel, der von normalem Glas geschützt, der Öffnung zugewendet ist.
Das Licht eines jeden Objektes fällt durch das Glas. Der Spiegel ist in einem solchen Winkel angebracht, so daß er das Licht nach unten durch die Linse auf den weißen Tisch reflektiert, auf dem die Abbildung des Objektes sichtbar wird, wenn der Raum verdunkelt ist. Der Spiegel läßt sich neigen und drehen um die Aussicht zu verändern.
Das Abbild ist nicht vergrößert, sondern in Lebensgröße reproduziert. Es ist auch seitenrichtig. In der einfachen Loch—Camera—obscura ist die Abbildung auf dem Kopf stehend und seitenverkehrt. In dieser Camera obscura geben Spiegel und Linse das Bild in richtiger Weise wieder. Die Linsen stellen natürlich auch das Bild scharf ein. Die Schärfe ist sehr genau und die Tiefenschärfe (im Nahbereich:der Linse bis unendlich) ist auch sehr groß. Dies wird hier durch die kleine Blendenöffnung erreicht, die der Blende 67 entspricht. Die Größe der Blende erhält man, wenn man die Brennweite durch den Durchmesser der Linse teilt. (Brennweite ist die Entfernung vom Tisch zur Linse. Die Brennweite beträgt 8,57758 m. Die obere Linse hat den Durchmesser von 12,7 cm. 8,5775B m geteilt durch 0,127 m entspricht der Blende von 67,54.)
Würde die Blendenöffnung noch kleiner sein, könnten auch noch nähere Objekte scharf eingestellt werden. Dies würde jedoch noch weniger Licht bedeuten und das Bild würde zu dunkel. Mit der jetzigen 12,7 cm Linse ist fast alles im Bild scharf abgebildet und ist auch an einem normalen Tag hell genug.(?) Die große Tiefenschärfe macht ein ständiges Nachstellen der Schärfe überflüssig. Vergleicht man die Ausmaße dieser Camera obscura mit denen einer Photokamera, so ist der Unterschied gewaltig. Dies schafft ein weiteres Problem. Die Bündelung des Lichts durch die Linsen findet seine Schärfe in einer Wölbung, in einer Kurve. Um dies auszugleichen hat der Tisch eine konkave Oberfläche, welche der Schärfenkurve entspricht. Jede Linse ist im Randbereich schwächer. Bei einem Bild dieser Größe ist die Schwäche deutlich sichtbar.
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